Ein starkes Team


Nürnberg. Mit Herz und Leidenschaft dabei: Ob in München, Augsburg, oder Nürnberg – in den 13 bayerischen Bahnhofsmissionen geht’s nicht ohne Ehrenamtliche. Mehr als 300 Freiwillige engagieren sich in den überwiegend ökumenisch getragenen Einrichtungen, gut zwei Dutzend von ihnen trafen sich jetzt in Nürnberg zu den vierten Ehrenamtstagen der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen. Zusammen hatten sie rund 150 Dienstjahre und jede Menge Begeisterung im Gepäck.

Mit dabei waren auch Freiwillige, die aus Syrien nach Deutschland kamen, um hier Schutz vor Krieg und Verfolgung zu suchen, und sich jetzt hier engagieren.
Die Ehrenamtlichen nehmen sich Zeit, hören zu, weisen Wege oder fahren, wenn nötig, auch einmal ein Stück im Zug mit. Gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitenden halten sie die Türen der Bahnhofsmissionen offen für Menschen in Not – und das manchmal rund um die Uhr. Ein Dienst, der im wahrsten Sinne des Wortes gut ankommt. „Sie können stolz sein“, so Hedwig Gappa-Langer, zuständige Referentin beim IN VIA Landesverband Bayern und ihre Kollegin vom Diakonischen Werk Bayern, Heidi Ott, die im Namen der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen zu den nunmehr vierten Ehrenamtstagen nach Nürnberg geladen hatten, „in den Augen unserer Gäste sind Sie freundlich, menschlich, herzlich, respektvoll und gastlich – kurz, Sie machen Gemeinschaft in den Bahnhofsmissionen erlebbar.“ Das hat eine bundesweite Gästebefragung im vergangenen Jahr gezeigt.

Wie aber erleben die Ehrenamtlichen das gemeinschaftliche Engagement, welchen Platz finden sie persönlich dort? „Ich, Du, Wir – ein starkes Team“ lautete das Thema der zweitägigen Veranstaltung, die helfen sollte, Antworten zu finden. Im fachlichen Teil bot die Sozialpädagogin Melanie Reitinger-Hönig mit vielen Impulsen und Ideen Gelegenheit zum Innehalten und Auftanken, zum Austausch und Vernetzen. Gefördert wurde die Veranstaltung mit Mitteln des Bayerischen Sozialministeriums und der Konferenz der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Deutschland.

Dass sie von Herzen gerne „ihre“ Zeit für andere geben, machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ehrenamtstage sehr deutlich: „Einmal im Dienst fehlen ist hart, zweimal geht gar nicht“, hieß es übereinstimmend. So kräftezehrend die Arbeit auch manchmal sein mag, die Helferinnen und Helfer bekommen dafür etwas zurück, das sie bestärkt: Etwa weil sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Oder weil sie sich als Teil einer Gemeinschaft erleben, die sie trägt.
„Jeder einzelne ist wichtig und verantwortlich für sein Tun“, so ein Fazit, „aber stark sind wir im Team.“ Damit aus den vielen „Ichs“ ein „buntes Wir“ wird, braucht es neben Respekt, Toleranz und Kommunikation auch Kompromissbereitschaft und Offenheit für den anderen. Wie gut das funktioniert, zeigte sich gleich vor Ort. Nur wenige der 27 Ehrenamtlichen aus neun bayerischen Bahnhofsmissionen kannten sich bereits – und wuchsen doch in kürzester Zeit zu einer Gruppe zusammen, „in der man sich gut aufgehoben fühlt.“ Egal, ob sie alleine in einer kleinen Bahnhofsmission Dienst leisten oder aus einer großen Einrichtung mit 24-Stunden-Betrieb kommen. Ob sie aus Syrien, Mexiko, Japan, Ungarn, Rumänien, aus Unterfranken, der Oberpfalz oder dem Allgäu stammen, ob sie im Ruhestand oder berufstätig sind - jede Geschichte und Persönlichkeit hat ihren Platz und „mit vereinten Kräften können wir viel Gutes tun!“
Ein großes Dankeschön im Namen der Deutschen Bahn übermittelte Karl-Heinz Ferstl. Der Bahnmanager stattete zusammen mit seiner Kollegin Natalie Blank auch den vierten Ehrenamtstagen wieder einen Besuch ab und würdigte einmal mehr das Engagement und die Begeisterung der Ehrenamtlichen: „Sie reden nicht nur drüber, Sie tun auch was.“
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen ökumenischen Impuls mit dem Nürnberger Stadtdekan Hubertus Förster.
(Text und Foto:IN VIA Bayern/Annette Bieber)